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    Mit Laib und Seele.

    Vom Naturtalent einer Brotagonistin

    Bliemchengaffee, Muckefuck oder ein Schälchen Heeßes – Martina Thiele hatte keine Schwierigkeiten, sie zu verstehen und perfekt zu sprechen. Wahrscheinlich wäre es ihr auch noch gelungen, sie sächsisch fehlerfrei zu schreiben, wenn wir sie darum gebeten hätten. Als waschechte Leipzigerin weiß die 59-Jährige im wahrsten Sinne des Wortes, wovon sie spricht.

    Vor 16 Jahren hat sich die gelernte Sekretärin bei Wendl beworben – und es bis heute nicht bereut. Am nötigen Selbstvertrauen, in ein völlig anderes Metier zu wechseln, hat es Martina Thiele bestimmt nicht gefehlt. Offenheit und Freundlichkeit brauchte sie sich nicht anzutrainieren, in diesen Punkten war und ist sie wohl ein Naturtalent. Ihr markantes Lachen voller Herzlichkeit und Natürlichkeit steckt ganz offensichtlich auch die Kolleginnen an, die die Geduld der Chefin loben, deren Beständigkeit und Zuverlässigkeit. Martina Thiele ist jetzt schon einige Jahre an diesem Gohliser Standort und spricht ganz einfach von der »positiven Grundhaltung« im Team, zu der jeder beiträgt und die alle erfasst – nichts Verordnetes, aber auch nichts Selbstverständliches. Los geht’s mit dieser Motivation früh drei viertel fünf, da wird Martina Thiele schon in der Filiale erwartet. Die erste Nacht- und die zweite Halb-sechs-Lieferung sind auf- und vorzubereiten, damit sich Punkt sieben das volle Wendl-Sortiment ansprechend präsentieren kann. Das wird immer wieder nachgelegt und reicht in dieser gefühlten Fülle bis Ladenschluss. Bei unserem Besuch waren Rüblibrote und Hasenstangen sehr gefragt. Der RoggStar ist fast schon ein Klassiker, der geht immer. Im Frühjahr und im Sommer seien leichte Kräuterbrote die Favoriten: »Wenn die Leute an ihrer Urlaubsfigur arbeiten«, wie Martina Thiele schmunzelt. Die Brotagonistinnen in der Gohliser Filiale, zu denen noch weitere Kollegen gehören, kennen ihre Kunden und wissen sich auf sie einzustellen. Sie wissen schon, wer am frühen Morgen noch verträumt und nicht sonderlich gesprächsbereit ist. Sie kennen die Ruck-zuck-Kunden ebenso wie die Pausen-Schüler oder den Ein-Tassen-Trinker und Kreuzworträtsellöser im Café. »Der Trend geht aber eindeutig zum Mitnehmen«, sagen sie. Aus Erfahrung sind sie auf den Männer-mit-Kindern-Einkaufs-Sonntag eingestellt, denen ab halb elf dann die ausgeschlafenen und hungrigen Frühstücksgäste folgen. Sie wissen natürlich auch, wer die Milch nicht so heiß aufgeschäumt haben will und wer beim Kaffee Traditionalist oder Avantgardist ist. Ihre Filiale liegt zwar nicht im Szene oder Studentenviertel, aber die Wandlungen im Kunden- und Käuferverhalten entgehen ihnen auch in Gohlis nicht.

    In der wärmeren Jahreszeit verlagert sich das Geschäft verstärkt nach draußen, ist es entspannend und erholsam, einen guten Bliemchengaffee oder Muckefuck ..., nein: natürlich einen Cappuccino oder Latte Macchiato zu trinken. Das ist zwar schwerer zu schreiben, klingt auf sächsisch auch nicht ganz so rund, schmeckt dafür aber wunderbar.

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    Der Brotagonist

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