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    Leipziger Nächte sind lang.

    Von Wendlschleifen mit Sportwagen

    Wenn die Brotfahrer auf ihren Touren durch das nachtschlafene Leipzig den Party- Heimkehrern begegnen, dann ist der freundliche Gruß schon die beste Einladung für das Frühstück bei Wendl – so erzählt man es sich zumindest. Doch stimmt das auch?

    Am Ende der zweiten Morgen- oder besser Nachtstunde gen Markkleeberg zu steuern, ist das reinste Vergnügen. Herrlich, weit und breit kein Gegenverkehr! Die ersten Lichter, die uns entgegenkommen, stammen von einem Kleintransporter namens »Wendlschleife«. Der muss sich schon kurz vor zwei auf den Weg gemacht haben. Auf dem Wendl-Gelände in Wachau herrscht Hochbetrieb. Drinnen in der großen Halle wird gebacken, geräumt, gestapelt. Draußen stehen acht LKW in Reih und Glied, exakt eingepasst in ihre Ladeluken. Jeder hat sein L-WE auf dem Kennzeichen und den wohlbekannten Slogan an der Front: »Den Duft, den Sie schmecken können«.

    2:04 Uhr macht sich der »Gebäckwagen« als erster vom Hof, weniger später gefolgt vom »RoggStar«. Wir warten noch ein Weilchen, viertel drei sind wir mit dem Versandleiter verabredet. Er ist pünktlich wie ein Bäcker. Um eins hat bei ihm der Wecker geklingelt, er sieht frisch und ausgeruht aus. Da alles wie am Schnürchen läuft, scheint er der richtige Mann am richtigen Platz zu sein. Wir erfahren – Dienstag Nacht ist die Hektik am größten, weil zusätzlich zu den Bäcker- und Konditoreiprodukten auch alles andere wie Wasser, Kaffee, Sahne und Servietten in die Filialen muss. Die Fahrer, insgesamt sind es 13, beladen ihre Wagen natürlich mit System. Nicht nur platz-, sondern auch zeitsparend, beim Einladen ans Ausladen denkend.

    2:50 Uhr rollt der »Sportwagen« flott vom Hof, die »Wendlschleife« ist gerade mit Leergut retour. 20 Minuten nur dauert die Fahrt bis zur Karl-Liebknecht-Straße 86. Wo sind sie denn nun, die Nachtschwärmer auf der Partymeile? Keiner, der den Brotlieferanten mit einem fröhlichen Gute-Nacht-Gruß bedenken würde, alles ruhig und menschenleer. Doch am Wochenende ist das anders. Da ist die Karli lebendig und laut bis zum frühen Morgen, und die Versuchung sei groß, sich für das erste und zweite Frühstück im Bett ein paar Brötchen zu sichern. Entweder mit der Variante, gleich im Vorbeigehen vom LKW zu stibitzen oder dem Versuch, ein »Essensgeld« zu entrichten: Das eine ist so wenig erlaubt wie das andere, deshalb gilt: Frische Brötchen gibt’s drin, jeden Tag ab sieben! Dem Versandleiter stehen die Schweißperlen auf der Stirn. Er hat die frische Ware aus- und die Retouren wieder eingeladen. Was übrig bleibt vom Vortag, wird nicht weggeworfen, sondern der »Tafel« weitergegeben. Es ist 3:55 Uhr, die ersten Radfahrer strampeln dem Zentrum entgegen. Die Stadt erwacht. 4:10 Uhr erreichen wir den Moritzhof, die erste Straßenbahn der Linie 16 rumpelt heran. 4:40 Uhr geht unsere wenig romantische Nachtfahrt zu Ende. Wir machen Pause und wärmen uns auf. Wir gönnen uns einen Kaffee, unser Begleiter muss schon weiter – halb sechs beginnt seine zweite Tour.

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    Der Brotagonist

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